7 Fragen an die Gründer von Talents‘ Friends

„Fokussiert euch auf euer Kernbusiness, tauscht euch mit anderen Gründern aus, informiert euch über Erfolgsgeschichten und auch über Ideen, die nicht so gut funktioniert haben.“

Ratschläge von Jan Philipp Platenius, dem Gründer von Talents‘ Friends, ursprünglich konzipiert als Unternehmensberatung für Personalmarketing. Gemeinsam mit den dazu gestoßenen Kollegen Alexander Bongartz und Philipp Möhlmeier entschied er sich nach einiger Zeit, das Thema von Talents‘ Friends leicht zu verändern: Heute bauen sie Internetportale für verschiedene Zielgruppen im Personalbereich.

Ich habe mich mit Jan Philipp Platenius am 23. Oktober 2015 über das Gründen, Herausforderungen und Chancen, den Standort Bielefeld und mögliche Entwicklungen unterhalten. Das komplette Interview könnt ihr hier anhören, unten findet ihr die gekürzte Fassung zum Nachlesen.

 

 

1. Was waren die größten Herausforderungen, die ihr bislang bestehen musstet?


Das ändert sich täglich, es gibt ja immer wieder Herausforderungen. Auch wenn man zum Beispiel mehr Geld hat oder größer ist werden es nur andere Herausforderungen. Am Anfang ist natürlich erstmal die Herausforderung, einfach zu überleben. Und am Wachstum ist jetzt gerade die Herausforderung, wie man es hinbekommt, dass ein Unternehmen, das erst für drei Leute funktioniert hat, dann für zehn, demnächst auch für 25 funktioniert. Herausforderungen sind da zum Beispiel die Infrastruktur, IT, Räume und so weiter und so fort.

 

2. Was zeichnet Talents‘ Friends aus?

Wahrscheinlich eine gute Mischung aus Kreativität und Management. Es gibt natürlich sehr viele sehr kreative Gründer. Viele bringen dann aber gar nicht das Produkt an den Markt oder bekommen es nicht so aufgebaut, dass es nachhaltig gut gemanagt wird. Ich hatte zum Beispiel, als ich noch an der Uni war, früher immer meine besten Ideen nachts. Wenn man das immer so weitermacht, also die besten Ideen nachts hat, das aber am Tag nicht verkauft, dann kommt man nicht so weit.

Deswegen ist das eigentlich eine ganz gute Mischung aus Kreativität und Management, Umsetzung, auch Controlling, Vertrieb, also diesen kaufmännischen Aspekten. Ich glaube, dass viele Startups auch scheitern oder nicht groß werden, weil sie entweder zu kreativ sind und keinen Kaufmann haben, oder so kaufmännisch gedacht sind, dass sie keine kreativen Gedanken haben, nichts anders oder besser machen. Diese Mischung aus Kreativität und Management zu finden ist relativ selten, denke ich.

 

3. Was war der größte Fehler, den ihr bislang gemacht habt bzw. was würdest du heute anders machen?

Ich hätte wahrscheinlich einige Sachen anders gemacht. Vor allem hätte ich wahrscheinlich eher angefangen, also einfach während des Studiums schon und nicht nach dem Studium. Denn dann hat man vielleicht schon erste Kunden und vielleicht noch ein paar mehr gute Erfahrungen. Damals, als ich angefangen habe, waren Internet-Startups hier in der Gegend noch völlig unbekannt. Vielleicht hätte ich vorher mal bei einem Internet-Startup reingucken können, aber das war damals nicht so bekannt wie es jetzt ist. Jetzt liest man in der Zeitung immer über Zalando und tausend andere Sachen. Hier war das so vor fünf, sechs Jahren eigentlich noch nicht so und da hat auch gar keiner gegründet. Da hätte man sich natürlich vorher besser vorbereiten können. Aber das Gute ist, dass ich es einfach trotzdem gemacht habe.

 

4. Warum habt ihr euch für den Standort Bielefeld entschieden bzw. warum habt ihr nicht eure Koffer gepackt und gesagt „Wir gehen nach Berlin, weil da alles besser ist“?

Am Anfang wusste ich noch nicht, dass in Berlin alles besser ist und ich bin mir auch jetzt noch nicht sicher, ob das so ist. Es sollte ja erst eine Unternehmensberatung werden. Und dann waren hier natürlich die ganzen Kontakte zu potenziellen Kunden, zu Unterstützern, Familie und Freunden. Am Anfang hat ja quasi jeder mit angefasst und ich hatte auch viel Hilfe von den Kollegen von STUNT.

Als wir Talents’ Friends zur GmbH gemacht haben und ja auch das Ziel gewechselt haben, also verschiedene Internetportale zu betreiben, haben wir mal darüber nachgedacht, vielleicht teilweise nach Berlin oder Hamburg zu gehen. Wir dachten, da finden wir mehr gutes Personal mit entsprechender Erfahrung. Leute, die vielleicht auch schon mal bei Zalando oder so gearbeitet haben.

Wir haben uns trotzdem entschieden, hier zu bleiben. Erstens, weil man hier als Startup noch ein bisschen was Besonderes ist: Wenn jetzt Mitarbeiter hier in der Gegend in einem Startup arbeiten möchten, dann kommen sie häufig zu uns. Es gibt ja hier in der Gegend gar nicht so viele Startups, die Arbeitsplätze schaffen. Die meisten sind gerade erst am Anfang. Ein anderer Aspekt war, dass wir dachten, vielleicht Investoren gewinnen zu müssen. Natürlich gibt’s die meisten Investoren woanders, aber dafür gibt es dann vielleicht hier welche, mit denen es besser passt. Das hat bislang auch gut funktioniert.

 

5. Was würdest du Leuten raten, die speziell hier in Bielefeld ein Startup auf die Beine stellen wollen?

Also ich fange mal damit an, was man vielleicht nicht machen sollte: Viele Leute haben nicht so den Fokus, sie haben tausend Ideen und machen tausend Dinge. Das ist ein klassischer Fehler am Anfang, den haben wir auch gemacht. Dann wird man nicht schnell in einer Sache gut, kriegt nicht das relevante Feedback, konzentriert nicht die ganze Power auf eine Sache. Fokus ist einfach wichtig, nicht zu viel Ablenkung. Ich selber gucke schon in meiner Freizeit bei einigen Sachen, ob mich das vielleicht zu sehr ablenken könnte. Wichtig ist halt, dass man nicht zu sehr von seinem Kernbusiness abgelenkt ist.

Außerdem sollte man schnell den Austausch suchen mit anderen Startups oder Unternehmern, die in dem Bereich schon aktiv sind. Ruhig auch ein bisschen intensiver und nicht nur oberflächlich. Bei mir selber funktioniert es so, dass ich relativ viel lese und mich mit solchen Sachen beschäftige. Da gibt es ja auch historische Beispiele, die schon 200 Jahre her sind, aber einige Mechanismen sind trotzdem noch ähnlich. Das ist für mich ein gutes Vorgehen, es ist wahrscheinlich aber nicht für jeden so. Da muss jeder selbst wissen, wie er sich am besten informiert über Erfolgsbeispiele und auch über Sachen, die nicht so gut funktioniert haben.

Wichtig ist es auch, dass man damit umgehen kann, dass man am Anfang ein bisschen ausgelacht wird. Dass alle denken, dass man verrückt ist, oder alle Freunde denken: „Man, der landet in der Gosse“. Das ist am Anfang relativ normal und damit muss man sich auseinandersetzen – zumindest wenn das Feedback von den richtigen Leuten kommt. Aber eigentlich gehört das am Anfang ein bisschen dazu. Und vielleicht ist das ja sogar ein gutes Omen; wir wurden auch am Anfang für alles ausgelacht.

 

6. Wenn du einen Wunsch für Bielefeld frei hättest – was würdest du verändern?

Eine Sache wäre auf jeden Fall: Ich würde mir einen See hier hin wünschen. Also einen „richtigen“ See, nicht den Obersee. Denn dadurch würden die Stadt und die gesamte Region sehr viel an Lebensqualität gewinnen und es wäre leichter, gute Leute hier hin zu holen oder hier zu binden. Es ist derzeit hier so, dass viele nach dem Studium weggehen, die man eigentlich gerne hier hätte. Oder sie arbeiten nach dem Studium vielleicht noch ein, zwei Jahre hier, gehen dann aber weg, weil der Partner in einer anderen Stadt einen Job hat zum Beispiel. Das ist natürlich ein Nachteil, denn dadurch verliert man sehr viel Potenzial.

Und die andere Sache, die ich mir wünschen würde, wären mehr Personen mit großen Ambitionen. Es gibt hier jetzt nach und nach zwar schon immer mehr Gründer, aber es gibt nicht so viele, die wirklich die Welt verändern möchten. Zumindest trifft man sie hier nicht so leicht wie in größeren Städten. Ist ja auch klar: In größeren Städten wie zum Beispiel Hamburg wohnen ja auch einfach fünf- oder sechsmal mal so viele Leute wie hier.

 

7. Wo siehst du Talents‘ Friends in 5 Jahren?

Oh, in fünf Tagen weiß ich es schon nicht so genau. Ich hoffe natürlich, dass wir hier immer weiter machen, nicht zwischendurch kaputtgehen und vielleicht noch mehr Tochterfirmen betreiben. Vielleicht im Personalbereich oder auch in anderen Bereichen.

 
Danke an Hertz 87.9 – Campusradio für Bielefeld für die freundliche Unterstützung und die Erlaubnis zur Nutzung der Studiotechnik!

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